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Datum: Donnerstag, 27. Dezember 2012
Ort: Innsbruck

Das Weihnachtsgeschehen in der religiösen Volkskunst Tirols.

Dr. Josef Weber, Professor i. R., der Pädagogischen Akademie Innsbruck, und Gründer der Krippenvereine Tarrenz, Wildermieming sowie der Schnitzschule in Oberperfuss hat uns einen sehr interessanten Artikel über das Tiroler Krippenwesen zur Verfügung gestellt, den wir gerne mit Ihnen teilen dürfen.

Dr. Josef Weber

Teil 1 von 2


Sowohl der große Schatz heimischer Weihnachtslieder, die zum Teil in frühe Jahrhunderte zurückreichen, als auch die vielen bildlichen und plastischen Schöpfungen zeugen von der Darstellungs- und Gestaltungsfreudigkeit der Tiroler Bevölkerung. Dazu kommen die Mysterien- und Krippenspiele für die Weihnachtszeit. Das älteste Dokument eines Weihnachtsspiels ist das sogenannte Sterzinger Weihnachtsspiel aus dem Jahre 1511. Auch in Inzing wurden über Jahrhunderte Weihnachts- und Passionsspiele aufgeführt ( seit 1723 ).Der Gedanke dabei war die theatralische Darstellung des Weihnachtsmysteriums für jene Schicht der Bevölkerung, welche nicht lesen und schreiben konnte.
Ähnliches bezweckten die Bilderfolgen der biblia pauperum an den Wänden romanischer und gotischer Kirchen, z. B. in der Schlosskapelle Hocheppan, in Obermauern bei Virgen und in Terlan. Die ältesten plastischen Krippendarstellungen sind jene aus der Werkstätte von Michael Pacher in St. Wolfgang, der Traminer Altar (jetzt im Bayrischen Nationalmuseum in München) sowie die Altarkrippe in der Kufsteiner Pfarrkirche St. Vitus ( ca. 1520 ).

Altarkrippe in Kufstein, Bilddokument vom Krippenverein Kufstein

Die älteste noch erhaltene Hauskrippe Tirols stammt aus der Übergangszeit von der Gotik in die Renaissance, war ursprünglich Eigentum des Haller Stiftsarztes Hyppolitus Guarinoni, der sie dem Haller Damenstift überließ ( nach Erich Egg jedoch fraglich ). Die Krippe wurde frühestens 1580 von einem unbekannten Meister gefertigt. Die gesicherte Herkunft führt nach Volders und über Umwege zum Maxenbauern nach Thaur.
In den Jahren 1608 und 1609 wurden nach süddeutschen Vorbildern die ersten sogenannten“gekleideten“ Krippen aufgestellt, z. B. in den Jesuitenkirchen in Innsbruck und Hall, in der Franziskanerkirche in Innsbruck, der Spitalskirche in Innsbruck (jetzt in der Pfarrkirche in Tulfes) und der Stiftskirche zu Neustift bei Brixen.
Vom Schau- oder Marionettenspiel kommend, zeigt die Darstellung der gekleideten lebensgroßen Figuren eine lebendige, das Volk ansprechende Szenerie. Man scheute kein Opfer, um diese Figuren möglichst kostbar zu kleiden. Alle möglichen Handwerker, vom Silberschmied bis zum Perückenmacher, vom Wachsgießer bis zum Paramentsticker, fanden dafür Beschäftigung. Unter den größten Kirchenkrippen mit gekleideten Figuren verdienen die Krippen in Tulfes (1608 bis 1638),Telfes (1663), Götzens, Birgitz und Axams genannt zu werden. Zwei Glanzstücke tirolischer Krippenkunst, die „gekleidete Regelhauskrippe“, fälschlich als Ursulinenkrippe bezeichnet und die Klosterkrippe des Stiftes Stams fanden nach dem Krieg wie viele andere den Weg nach Deutschland und stehen derzeit im Nationalmuseum in München.

Kirchenkrippe in Telfes 1663

Zur Zeit der Aufklärung unter Kaiser Josef II. wurde die Krippe als „theatralische Vorstellung“ aus Kirchen und Klöstern verbannt. Diesen kaiserlichen Verordnungen von 1784 verdanken wir, dass viele Krippen aus Kirchen, aus aufgelassenen Klöstern und Adelshäusern bei Bürgern und Bauern willkommene Aufnahme fanden (so die Maxenkrippe).Spätestens im 18. Jahrhundert fand die Krippe verbreitet Eingang in die Familien.Der entscheidende Künstler für Nordtirol wurde der Thaurer Johann Giner der Ältere (1756 – 1833). Giner hat 1770 die Bildhauerei bei Josef Renn in Imst ( Quelle Tiroler Heimatblätter – 1937 – J. Ringler), nach Erich Egg jedoch gegen 1780 bei Urban Klieber in Innsbruck gelernt. Die Lehr- und Gesellenzeiten Giners sind sowohl in Imst als auch in Innsbruck eher nach 1770 und vor 1780 anzunehmen. Giner dürfte von Johann Schnegg aus Imsterberg, „Vater“der barocken Holzschnitzkunst und Schöpfer der Götzner und Rangger Altarplastiken sowie der Kirchenkrippe bei Arzl im Pitztal, maßgeblich beeinflusst worden sein. Ein Vergleich der Plastiken zeigt dieselbe Bewegtheit der Figuren, die anmutige Weichheit im Gesichtsausdruck sowie die Darstellung der Hirten in der heimischen Tracht. Glanzstücke seiner Kunst sind die Kirchenkrippen von Absam und Thaur sowie die Hauskrippen bei Familie Wopfner und beim Schottenbauer in Thaur, wie auch bei Familie Eigentler in Götzens.

Krippenfiguren von Johann Schnegg (li.) und Johann Giner (re.)

Sein Sohn Johann Giner der Jüngere (1806 -1870) setzte als äußerst talentierter Bildhauer die Tradition des Vaters fort. Seine Figuren erkennen wir an den tiefen und scharfen Schnitten. Die einzigen Krippen, die zur Gänze aus seiner Hand stammen sind die Kirchenkrippe in Inzing und die des Gesellenvereines in Schwaz. Die Figuren in der Krippe von Niederkircher in Oberperfuss und Knoll in Götzens sind größtenteils von Giner d. Jüngeren.
Ein schnitzerisch besonders begabter Nachahmer Ginerscher Krippenfiguren war Johann Laimgruber, gen.“Mundi“(1823 -1875), dessen Plastiken sich durch größere Weichheit in der Erscheinung und einem stärkeren pastoralen Charakter auszeichnen. Sehr reizvoll sind seine Reiterzüge mit den überaus zierlichen Pferdchen und den anmutigen Reitern. Die Hirten sind nach Giner-Art in der damals üblichen Bauerntracht gekleidet.

Figur von Mundi

Franz Giner (1740 – 1799) und Josef Giner (1799 -1844) gen.“Schwögler“ waren vorzügliche Fassmaler und Vergolder. Erst die feine Leimtemperafassung in ihrer zarten wachsartigen Weichheit hat die Ginerfiguren zu dem gemacht, was sie sind – unerreichbares Wesensmerkmal Ginerscher Krippenkunst. Die satte Grundierung der Figuren mit Kreide aus dem Gleirsch bei Scharnitz, die sorgfältig geschliffen wurde, spielte dabei eine Hauptrolle und verlieh ihnen den so wunderbaren sanften Ausdruck.
Romed Riedmüller (1855 – 1890) aus Thaur war ein weiterer Künstler, welcher den Stil der Giner- Schule pflegte.
Um dieselbe Zeit als in Thaur das Schnitzen von Krippenfiguren einen nicht mehr übersehbaren Umfang angenommen hatte, wussten auch dieGrödner Schnitzer die aufkommende Krippenfreudigkeit zu nutzen. Die primitiv geschnitzten, bunt bemalten und lackierten Figürchen fanden bei der Bevölkerung Anklang und wurden weit über die Grenzen Tirols hinaus bekannt. Nach Grödner Art, aber eigenständig in der Darstellung, schnitzte in Sterzing die Familie Probst ihre 3 – 5 cm großen Figürchen. Die bekannteste Probstkrippe, die des Diözesanmuseums von Brixen, in Auftrag gegeben von Fürstbischof Graf Lodron, ist mit zahlreichen Szenen und unzähligen Figürchen – bis 6000 an der Zahl – ausgeschmückt. Für die Volkskundler stellen die Probst-Krippen eine Fundgrube dar, da sie das dörfliche Leben von 1820 bis 1850 widerspiegeln.

Besonders charakteristisch für die Krippen der Nassereither Gegend sind die sogenannten „Loammandln“. Sie sind hausgewerbliche Volkskunst und wurden aus einem flach gestalteten Model, der von heimischen Bildhauern stammt, herausgedrückt und nach dem Brande mit Ölfarben bemalt. Hausierer vertrieben die „Loammandln“ im gesamten Oberinntal, wo sie heute noch in Nassereith, Tarrenz und Mieming in Krippen zu sehen sind.
Die gehobene Hauskrippe des 18. Jahrhunderts scheint in Tirol aus gemalten Figuren bestanden zu haben. Man stellte mit einem gemalten Hintergrundbild die ausgeschnittenen Figuren zu einem geschlossenen Bühnenbild zusammen. Der Motivreichtum dieser Krippen war ein größerer als jener der geschnitzten. Als Meister der Papierkrippe gelten die aus Götzens stammenden Georg (1770 – 1838) und Felix Haller (1808 – 1883) sowie Josef Kramer (1783 -1855), gen.“Mundler“, aus Thaur. Haller Krippen können in Götzens und Axams bewundert werden, solche von Kramer in Thaur.

Teil 2 folgt am 28. Dezember 2012

Die nächsten Termine

Wiltener Stiftsorgelkonzerte - J.S. Bach & die Reformation III
Ton Koopman aus Amsterdam spielt im Rahmen der Wiltener Stiftorgelkonzerte Werke von Johann Sebastian Bach.
Datum: Donnerstag, 29. Juni 2017
Beginn: 20:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

13. Sonntag im Jahreskreis - Vesper in der Stiftskirche
Der Konvent feiert mit den Gläubigen eine gemeinsame Vesper in der Stiftskirche. Gespielt werden Orgelwerke von Johann Sebastian Bach (1685-1750) Partita „O Gott, du frommer Gott“ Teil 1. Wir laden Sie recht herzlich zur Mitfeier ein.
Datum: Sonntag, 2. Juli 2017
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Stiftskirche Wilten, Innsbruck

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