Datum: Sonntag, 20. Mai 2018

Pfingsten 2018 

Evangelium des Johannes 20, 19 – 23

19 Es war Abend geworden an jenem* Sonntag. Die Jünger/innen waren beisammen und hatten aus Angst vor den führenden Juden die Türen abgeschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: »Frieden sei mit euch!«  

20 Dann zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Als die Jünger den Herrn sahen, kam große Freude über sie. 

21 Noch einmal sagte Jesus zu ihnen: »Frieden sei mit euch! Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich nun euch.« 

22 Dann hauchte er sie an und sagte: »Empfangt den Heiligen Geist!  

23 Wenn ihr jemand die Vergebung seiner Schuld zusprecht, ist die Schuld auch von Gott vergeben. Wenn ihr die Vergebung verweigert, bleibt die Schuld bestehen.«

*...als Maria von Magdala, Simon Petrus und der andere Jünger das leere Grab entdeckten und der Auferstandene sich Maria persönlich zeigte...

 

 

 

  

 

 

 

 
 
Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten,
 

Was hat Gaietano Donizettis Oper „Anna Bulena“ mit Pfingsten zu tun?

 

Unlängst war dieses dramatische Musikwerk in ORF III mit großartigen Sängerinnen und Sängern zu sehen und zu hören.

Es geht in dieser Oper um die existentiellen Erfahrungen von Liebe, Ablehnung, Betrug, Enttäuschung, Unrecht, Verurteilung und Tod.

 

Einige Streiflichter in den Arien der Anna Bulena sind

„O Gott, du siehst in mein Herz. Verdiene ich das alles?“ 

 

An ihre sie schwer enttäuschende Freundin Seymur gerichtet:
„Gott strafe sie! Ihr möge es wie mir ergehen. Hinweg!“

 

Je näher die Hinrichtung rückt und das Unrecht vollendet wird ereignet sich ein Wandel bei Anna:
„Geh du Unglückliche! Bolena verzeiht dir. Jetzt bitte Gott um Gnade für dich. Ich fordere keine Rache.

Ins offene Grab will ich im Verzeihen steigen.“

 

Anna verkörpert den inneren und äußeren Weg von Verzweiflung, Enttäuschung, Verfluchen, Ablehnung bis hin zu Bedauern, 

Verzicht auf Rache und gipfelt im Verzeihen.

 

Die Begegnung des Auferstandenen mit den JüngerInnen in Joh 20, 19 – 23 nimmt ähnliche Erfahrungen in den Blick.

Die Verwandlung von Angst hin zum Frieden wird möglich durch Gottes Geistkraft. Das letzte Geschenk des Geistes ist

die Bereitschaft zu vergeben.

 

Mögen wir uns beflügelt von Gottes Geistkraft auf Wege der Verwandlung einlassen.

Das wünschen sich und Euch Albert und Petra Maria.



 

 

Einfach weiterdenken...

 

...hatten aus Angst vor den führenden Juden die Türen abgeschlossen.

 

Die JüngerInnengemeinschaft hatte so ziemlich alles verloren, was ihrem Leben Inhalt und Sinn gegeben hatte. Zuerst der Verlust von Jesus im grausamen Tod am Kreuz und dann noch der nicht mehr auffindbare Leichnam. Wen mag es da wundern, dass Angst sie erfasste und sie einsperrte? Ohne zu wollen entsteht ein äußeres und inneres Gefängnis. Vielleicht auch deshalb, weil Zorn, Wut und Hass gegen die Täter keinen Raum bekommen hatten. Denn unter der Angst liegt manchmal nicht gelebte Wut.

 

Kenne ich das Gefangen-sein in der Angst?

Kenne ich die Folgen nicht gelebter Wut? Bei mir selber? Bei anderen?

Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: »Frieden sei mit euch!« 

Offensichtlich waren die JüngerInnen nicht in der Lage, sich aus ihrem Gefängnis zu befreien. Von außen erreichte sie in ihrer Mitte der Zuspruch „Friede mit Euch!“. Wut, Zorn und Hass brauchen einen geschützten Raum des Ausagierens. Dann kann Friede einkehren. Von innen heraus ereignet sich Wandlung zum Frieden. Der Auferstandene traut sich in das innere Gefängnis einzutreten. Denn ER ist einer, der mit uns leiden kann mit allen unseren Schwächen.

Der Auferstandene schenkt den JüngerInnen die Energie, anzuschauen und anzunehmen was war und was ist. 

...hauchte er sie an und sagte: »Empfangt den Heiligen Geist!  Wenn ihr jemand die Vergebung seiner Schuld zusprecht, ist die Schuld auch von Gott vergeben.

Schritt für Schritt – wie ein leiser Hauch - führt der Auferstandene die JüngerInnen zum Frieden. Die „letzte“ Befreiung aus dem inneren Gefängnis kann gelingen durch Vergebung. Sie steht nicht am Anfang. Nach durchlebter Wut, Zorn und Hass kann es mit Gottes Geistkraft geschehen, dass wir vergeben können. Dann breitet sich Friede aus. In uns und um uns.

Welche aufbauende Vergebungserfahrung kenne ich?

 

zerissen

hin und hergerissen

in so oft ungerechten strukturen

voll zort und wut

flackert im dazwischen 

die angst

schleichend verführt sie

zu distanz und isolation 

eingekerkert und verschlossen

im kleinen ICH

wartet das SELBST

unverhofft entriegelt

 ein leiser hauch von liebe

befreit den zorn und auch die wut

das kleine ICH

zum großen traum

der leben heißt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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